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SIRI UND IHRE GESCHWISTER

Autor: Florian Jürgs

In den analogen Zeiten vor Apple SiriAmazon Alexa und Google Now brauchten die kreativen Köpfe in Agenturen ihren Kopf, um ihren Kunden zündende Ideen zu präsentieren, mit denen die für ihr neuestes Produkt werben konnten. Erst recht galt und gilt das für Content Marketing. Denn da gilt nicht der schöne Schein, da geht es um überzeugende nachhaltig wirksame Inhalte.

Wie alle anderen Digitalagenten hat Siri kein Gespür dafür, in welcher Stimmung sich die Kreativen gerade befinden, ob sie fröhlich oder traurig sind, verzweifelt oder hoffend. Wer von ihr etwas will, muss sich beschränken auf Fragen nach dem kürzesten Weg zur Pizzeria, den Anfangszeiten eines Films, der nächstgelegene Nachtapotheke – und natürlich dem Wetter. Zudem laut und deutlich sprechen, damit sie versteht, worum es konkret geht. Die besten Verbindungen zu entdecken – und diese dann in Sprache, in Claims, in Slogans auszudrücken –  zu dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, kennt Siri nicht, kennt Google nicht, kennt Alexa nicht.

Der Fortschritt stößt genau dort an seine Grenzen, wo es eigentlich erst so spannend wird, wo es wie schon immer um alles oder nichts geht – um uns Menschen. Das ist erstens logisch, denn weil künstliche von Menschen programmiert werden, sind ihre interaktiven Möglichkeiten begrenzt. Es ist ja kein wirklicher Fortschritt, bereits am Abend vom eigenen Chatbot vorgewarnt zu werden, dass es morgen vormittags regnen wird. Früher hätte an dem Tag ein Blick in den verhangenen Himmel oder auf die Regentropfen am Fenster genügt.

Als Fortschritt wird bezeichnet, nach Bestellung eines Taxis per App den Namen des Chauffeurs und die Ankunftszeit zu erfahren. Früher hätte man die Fahrt auch ohne Insiderwissen überstanden. Als Fortschritt wird empfunden, auf Facebook tausendvierhundertundachtzig Freunde zu haben. Früher hätten schon zwei, drei fürs ganze Leben genügt.

Mittlerweile gibt es fortschrittliche Apps, die für ein paar Stunden denen einen Zugang zum Internet sperren und die virtuelle Realität ausblenden, die ihrer Sucht selbsttätig nicht Herr werden. So gewinnt man, siehe oben, Zeit für Analoges. Zeit für die eigene und nicht online anzuklickende Idee.

Foto: © Apple

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