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DORF-LEBEN – SOME-LIVING – CO-LIVING

Autor: Lars Debbert

 

Unser Gehirn ist ausgelegt für eine Menschengruppe von etwa 150 Individuen. Mehr können wir nicht verarbeiten und nicht ohne Grund ist dies die Größe einer klassischen Dorfgemeinschaft.

“Obwohl soziale Kommunikation heute leichter ist als je zuvor, scheint unsere Kapazität, enge emotionale Bindungen zu haben, begrenzt zu sein”, sagt Felix Reed-Tsochas von der University of Oxford. Neue Freundschaften gingen zu Lasten bestehender Beziehungen.

Es besteht viel Bewegung im eigenen Netzwerk getrieben durch die Globalisierung und der endlosen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung. Dies macht auch vor der Art und Weise wie wir leben nicht halt. Der Wunsch nach überschaubaren Nachbarschaften als Dorfgemeinschaften der Neuzeit aber bleibt. Das Bedürfnis nach echten sozialen Bindungen trotz der sich weiter ausbreitenden Urbanisierung sucht sich neue Wege. Eine stark wachsende Spielart der neuen Dorfgemeinschaft heißt Co-Living.

Wie Dörfer aus den Bedürfnissen einer Gesellschaft und der damit verbundenen Arbeitswelt entstanden sind, bilden moderne Wohnformen wie das Co-Living die heutigen Bedürfnisse des Lebens und des Arbeitens ab. Moderne und hochwertig eingerichtete Micro-Apartments in zentraler urbaner Lage bieten viel Raum für Austausch und Inspiration. In die Apartments können die digitalen Nomaden schnell ein und auch wieder ausziehen. Der Mindset der Bewohner liegt im Austausch mit der Welt und damit auch untereinander. Durch die kleinen Größen der Apartments bleibt viel Raum für Gemeinschaftsflächen. Je nach Konzept und Preis-Niveau sind die Co-Living Anlagen mit Fitness-Bereichen, Gärten, Work-Spaces, Pools, Dachterrassen, Waschsalons, Yoga-Studios oder Bibliotheken ausgestattet.

Das moderne Leben manifestiert sich in der Wohnform als fließende Vermischung von Privat-und Arbeitsleben. Unkomplizierter Austausch für flexible Zeiträume zur Projektarbeit in Teams, schnellem sozialem Ankommen in der neuen Stadt und Zugang zu allem, was das moderne Leben braucht. So sind neben der baulichen „Hardware“ auch viele Services als optimale Rundumversorgung (Software) dazu zu buchen.

So entstehen weltweit interkulturelle Orte als kreative und intellektuelle Hot Spots, an denen gut ausgebildete Leute für Zeit ihr Know How in Start Ups einbringen oder Unternehmen unterstützen. Ein real gebautes Netzwerk in dem sich eine internationale Gemeinschaft überall zu Hause fühlt. Im besten Fall ein Ort der Kreativität und der Inspiration. Eine Dorfgemeinschaft der Digitalisierung.

Foto: The New York Times

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