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OMR 2019

Autor: Florian Jürgs

Ein Rückblick auf zwei Tage OMR Festival in Hamburg. Was 2011 mit gerade mal 200 Besuchern startete, ist acht Jahre später zu Europas wohl wichtigster und populärster Digital-Konferenz geworden. Und eigentlich noch viel mehr als das. Gründer und CEO Philipp Westermeyer hat ganz nebenbei auch das Format Messe festivalisIert und somit neu erfunden. 52.000 Besucher, über 400 teilnehmende Marken wie Facebook, Google, Adobe und Audi, 150 Masterclasses, weit über 300 Top-Speaker aus allen Bereichen von Marketing bis Massen-Meditation – ein Programm das international seinesgleichen sucht. Wozu noch nach Austin oder Las Vegas reisen.

Mein persönliches Highlight der diesjährigen Konferenz, die Auftakt Keynote von Philipp Westermeyer unter der Kernfrage „How do we make people care?”. Ein außergewöhnliches Plädoyer über die deutsche Digitallandschaft und was die sieben Todsünden für die Marketingbranche in einer Zeit bedeuten, in der Marken es zunehmend schwerer haben Kunden für Kaufentscheide zu begeistern. Zorn, Stolz, Geiz & Co funktionieren, wenn intelligent eingesetzt, dabei als starke Marketinghebel. Zu jeder „Marketing Sünde“ zeigte Westermeyer eine Reihe von Cases um die Thesen zu untermauern. Beispielsweise die Kooperation von Nike und US Football-Profi Colin Kaepernick, der mit der Aktion „Take A Knee“ eine gewaltige Protestwelle gegen Polizeigewalt und Diskriminierung los trat. Dafür gab es zwar zunächst nur den „Zorn“ der Konsumenten, schon bald jedoch einen explosionsartigen Anstieg des Börsenwertes. „We are at the dawn of the second golden age of audio” erklärt Matt Lieber, Gründer des Podcast Giganten Gimlet aus den USA, welches kürzlich für knapp 200 Mio Dollar den Besitzer wechselte. Spotify hat zugeschlagen. Audio, bis vor einigen Jahren noch für den Hinterhof der Geschichte bestimmt, erlebt eine ungeahnte Renaissance. Podcasts sind vor allem in Deutschland das derzeit wohl aufstrebenste Medienformat mit wachsender Bedeutung auch als relevanter Marketingkanal. Engagement- und Conversionrates können sich im Mediavergleich sehen lassen. Marken müssen sich in diesem Kontext nun zunehmend die Frage stellen „Welche Stimme hat mein Unternehmen?“.

Für einen Guinnes-Buch-Rekord hat es leider nicht gereicht als Headspace-Gründer Andy Puddicombe seine Keynote damit begann die etwa 10.000 Besucher der Konferenz in eine kollektive Meditation zu versetzen. Ein kurzer aber gelungener Break von der schieren Flut an Informationen und Eindrücken des Tages. Vom Mönch zum Global Businessleader, mit Headspace hat er es geschafft, das Thema Meditation in ein erfolgreiches digitales Produkt zu verwandeln und weltweit über 50 Millionen begeisterte Nutzer an die App zu binden. Neben einem grandiosen Entertainment-programm u.a. mit Dendemann, Trettmann, Crux Pistols und Suprise Act Scooter gab es auch immer mal wieder Stoff zum tieferen Nachdenken. Bestsellerautor Yuval Noah Harari zeichnete ein dystopisches Bild in Bezug auf Potentiale und Risiken von Algorithmen. Das Digitale Marketing der Zukunft verspricht enorme Potentiale und neue Chancen, braucht aber auch Regeln, Lösungen und mit Sicherheit auch Grenzen.

Foto: © OMR

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