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Wie leben wir zusammen?

Autor: Lars Debbert

 

Gestern war Europa Wahl und ein weiteres Mal scheint sich abzuzeichnen, dass die alten Modelle für die Menschen in Deutschland und Europa nicht mehr richtig funktionieren. Das Versprechen des reinen Kapitalismus, dass jeder es für sich schaffen kann, hat seit den letzten Wirtschaftskrisen deutliche Risse bekommen. Der gnadenlose Individualismus führt zudem dazu, dass sich ursprünglich sichere Beziehungskonzepte wie die der Familie zunehmend auflösen. Und nun scheint der Motor eines wachsenden Wohlstands – das stetige Wachstum – auf Grund der drohenden Klimakatastrophe auch nicht mehr selbstverständlich möglich zu sein.

Vor lauter Unsicherheit in allen Bereichen der sicher geglaubten Parameter unserer Gesellschaft zeigt sich das alte Verhaltensmuster: gefühlte Herstellung der persönlichen Sicherheit im Tausch gegen Freiheit und in Abgrenzung zu anderen (Geschlechter, Rassen, Nationen). Selbst die offensichtlichen Veränderungen unserer Welt werden lautstark geleugnet oder verharmlost (Klimawandel, Globalisierung, Digitalisierung). Die Versprechen der aktuellen wirtschaftlichen Modelle scheinen keine richtigen Antworten mehr geben zu können. Und das reflexartige Umschalten auf alte Lösungsangebote der Grenzen kann nun wirklich auch keine dauerhafte Lösung sein, wenn wir irgendetwas aus der Geschichte gelernt haben sollten.

Es braucht also alternative Modelle, die den Gesellschaften in der Breite wieder Sicherheit gibt und damit Freiheit und Wohlstand nicht für wenige, sondern für viele möglich macht. Globale Herausforderungen brauchen globale Antworten. Moderne Formen des Zusammenlebens. Einen Zusammenhalt in den offenen Gesellschaften der Welt.

Orte des Zusammenlebens sind nach wie vor die immer weiterwachsenden Großstädte und Metropolen. Stadt als wachsendes System spiegelt die Wünsche und Strukturen der Gesellschaft wider. In den folgenden Blogartikeln werde ich mich den weltweiten Trends von Formen des urbanen Zusammenlebens jenseits der klassischen Wohnformen wie Miets- und Eigentumswohnungsbau, jenseits der klassisch kapitalistischen Innenstadt- und Mall-Konzepten sowie jenseits der tradierten Büro- und Arbeitsvierteln widmen. Wie verändern die aktuellen gesellschaftlichen Strömungen die Stadtmodelle und urbane Entwicklungen? Wie entwickeln sich die Grenzen des Privateigentums, wie entwickelt sich die Sicherheitsarchitektur der wachsenden Städte, wie entwickelt die Digitalisierung den Stadtraum? Stadt bildet Gesellschaft und baut Gesellschaft. Die Agora des alten Athens bildet einen bedeutenden, gebauten Schritt in der Entwicklung des Zusammenlebens und ist die Wiege der Demokratie. Wie baut sich die Gesellschaft heute ihre Städte als Orte des realen Zusammenlebens? To be continued…

 

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